Traumjob an der frischen Luft

Anspruchsvoll und abwechslungsreich: Pferdewirtinnen und Pferdewirte benötigen nicht nur ein Gespür für Vierbeiner, auch ein Händchen für den Umgang mit Menschen ist von Vorteil.

Maike Schröder

Für Maike Schröder war es der richtige Entschluss, eine Ausbildung zur Pferdewirtin zu absolvieren. Das Zusammenspiel von Mensch und Tier lässt niemals Langeweile aufkommen.

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Dieser Job verlangt vollen Einsatz: Frühes Aufstehen, Verantwortungsbewusstsein, den täglichen Griff zum Besen für einen sauberen Stall und manchmal auch den Einsatz an Wochenenden. „Und doch ist es der beste Job der Welt“, lacht Maike Schröder. „Jedenfalls im Sommer. Es gibt nichts Schöneres, als an der frischen Luft mit Pferden zu arbeiten.“

Zuerst frühstücken die Tiere, dann die Pferdewirtin

Die 23-Jährige absolviert eine Ausbildung zur Pferdewirtin an der Landes- Reit- und Fahrschule im Pferdesportverband Rheinland e.V. in Langenfeld (LRFS). Maike hat die Fachrichtung „Klassische Reitausbildung“ gewählt. Morgens krabbelt sie um 6 Uhr früh aus dem Bett und macht sich auf den Weg. Sie fährt aus ihrer Heimatstadt Köln etwa 30 Kilometer nach Langenfeld. Pünktlich um 7 Uhr steht sie im Stall, mistet ihn aus, versorgt die Tiere mit Futter und den Boden mit frischem Einstreu. Ihr eigenes Frühstück muss warten. Zuerst kümmert sie sich um das Wohl der Tiere.

Auf die Idee, ihre Liebe zu Pferden auch zum Beruf zu machen, kam Maike erst im zweiten Anlauf. Nach ihrem Hauptschulabschluss hat sie zuerst eine andere Berufsausbildung begonnen, diese dann aber abgebrochen. Jetzt, im dritten Ausbildungsjahr als Pferdewirtin, ist sie sicher, ihren Traumjob gefunden zu haben. „Der Umgang mit den Pferden, die Arbeit an der frischen Luft und die Abwechslung, weil man mit so vielen unterschiedlichen Leuten zu tun hat — das sind super Voraussetzungen“, sagt Maike. Sie hat schon als Sechsjährige ihre Liebe zu Pferden beim Reitunterricht entwickelt.

Eingehen auf Temperament und Charakter

Gute Reitkenntnisse sind Voraussetzung für den Job der Pferdewirtin. Was benötigt man noch? „Natürlich muss man gut mit Pferden umgehen können“, sagt Maike. „Aber ebenso gut mit Menschen. In den Reitstunden stellen wir uns immer wieder neu auf einzelne Personen oder Gruppen ein. Dazu braucht man Geduld, muss kommunikativ und auch flexibel sein.“ Wer sich in der Pferdewirtschaft ausbilden lässt, erlangt Expertenwissen rund um das Tier. Angehende Reitlehrerinnen und Reitlehrer müssen das Temperament, den Charakter und die Fähigkeit des jeweiligen Tieres einschätzen können. Denn sie legen fest, welches Pferd sich für welchen Schüler oder für welche Schülerin eignet. Maike Schröder nimmt schon den Kleinsten die Angst. Es kann schon eine Herausforderung sein, mit einer kleinen Kinderhand einem Pferd das Zaumzeug über das Maul zu streifen. Für Maike steht natürlich auch das Thema Sicherheit im Fokus. „Man muss immer auch auf unerwartete Situationen reagieren können“, beschreibt sie.

In der Berufsschule steht Fachwissen zur Anatomie, der Ernährung und Gesundheit der Pferde auf dem Stundenplan. Auch die richtige Pflege von Sattel und Zaumzeug will gekonnt sein. „Es ist gut, dass die Theorie unser Praxiswissen ergänzt“, sagt Maike. In der Praxis kümmert sie sich um weit mehr als um die tägliche Säuberung der Pferdeboxen. Neben dem Unterricht reitet sie junge Pferde ein oder trainiert die Vierbeiner an der Longe. Maikes Ziel ist, im kommenden Jahr die Abschlussprüfung zu bestehen und erste Berufspraxis als Reitlehrerin zu sammeln. „Darüber hinaus schmiede ich noch keine Pläne“, sagt sie.

Falls ihr später der Sinn nach weiteren Karriereschritten steht, könnte sie sich im nächsten Schritt zur Pferdewirtschaftsmeisterin ausbilden lassen. Auch in der Betriebswirtschaft oder in der Agrartechnik finden Pferdewirtinnen und -wirte interessante Fortbildungen. Wer Abitur hat und noch mehr akademisches Wissen rund um die Hippologie sammeln will, kann sogar Pferdewissenschaften studieren.


Kunden- und Serviceorientierung im Fokus

Auch Lisa Ullrich (18) hat sich zur Ausbildung an der Landes- Reit- und Fahrschule im Pferdesportverband Rheinland e.V. (LRFS) entschlossen. Sie hat vor fünf Monaten angefangen, sie wählte die Fachrichtung „Pferdehaltung und Service“. Sie gibt im Interview weitere Einblicke in den Ausbildungsalltag.

Lisa Ullrich

Lisa Ullrich, hier mit Akira, hat ihre Ausbildung vor fünf Monaten begonnen. Neben den Pferden kümmert sie sich auch um die Anliegen der Kunden der Landes- Reit- und Fahrschule.

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Lisa, Sie absolvieren ebenfalls eine Ausbildung zur Pferdewirtin. Mussten Sie sich vor Beginn der Ausbildung festlegen?

Lisa Ullrich: Ja, das wird im Ausbildungsvertrag festgehalten. Es muss ja der entsprechende Meister oder die Meisterin für die Ausbildung im Betrieb zur Verfügung stehen. Auch in der Berufsschule sind das unterschiedliche Klassen. Neben der Klassischen Reitausbildung und der Fachrichtung Pferdehaltung und Service, die wir hier in der LRFS absolvieren können, gibt es an anderen Ausbildungsstätten auch die Fachrichtungen Pferdezucht, Pferderennen/Rennreiten sowie Spezialreitweisen.

Reiten konnten auch Sie wahrscheinlich schon vor dem Start in die Ausbildung. Wie kam es zu dem Entschluss, Ihr Hobby mit ihrem beruflichen Weg zu verknüpfen?

Lisa Ullrich: Ja, auch ich reite schon einige Jahre. Ich habe mit zwölf Jahren begonnen. Ich war anfangs unsicher, ob aus dem Hobby auch ein Beruf werden könnte. Zuerst hatte ich überlegt, eine Ausbildung zur Logopädin zu machen. Ich hatte sogar schon einen Platz. Aber ich habe gespürt, dass das nicht das richtige für mich war. Die LRF kannte ich schon von verschiedenen Lehrgängen. Dann habe ich zuerst ein Praktikum gemacht. Das hat mir total gut gefallen. Ich habe mich dann ganz schnell beworben und zum Glück die Zusage erhalten.

Nun sind Sie im ersten Ausbildungsjahr. Wie unterscheiden sich denn Ihre Aufgaben von denen Ihrer Kollegin Maike?

Lisa Ullrich: Der Start in den Arbeitstag ist ähnlich - am Ausmisten kommt niemand vorbei. Mit der Fachrichtung „Pferdehaltung und Service“ geht es bei mir weniger um den Reitunterricht, sondern mehr um die Kunden- und Serviceorientierung. Futterbeschaffung ist etwa eine Aufgabe. Oder ich kann in den Reitabzeichen-Lehrgängen theoretischen Unterricht erteilen. Auch geht es in meiner Fachrichtung noch mehr um Stallmanagement und den Blick auf den Kunden. Wie etwa können wir Ställe und Reitanlagen optimal gestalten, damit Menschen und Tiere sich wohlfühlen? Aber natürlich habe auch ich zum Glück viel mit Pferden zu tun, auch ich kümmere mich darum, sie zu bewegen und mit ihnen zu arbeiten.