Spezialisieren, aber richtig! Mein Azubi-Tipp

Einkauf oder Verkauf, Fachrichtung Hygiene oder Schaufensterdekoration? Es gibt viele Möglichkeiten, sich im Beruf zu spezialisieren, oft schon während der Ausbildung. Berufsberaterin Ute Michaelis verrät, worauf Du bei Deiner Wahl achten solltest.

Ute Michaelis

Ute Michaelis ist Diplom-Pädagogin und systemischer Coach und spezialisiert auf die berufliche Aus- und Weiterbildung. Sie gehört zum Beraterteam bei unserer Infotour.

privat

Frau Michaelis, wie finden Auszubildende heraus, welche Fachrichtung für sie die Richtige ist?

Indem sie überlegen, was ihnen Spaß macht. Die Ausbildungsordnung schreibt vor, dass Auszubildende alle Bereiche eines Berufs kennen lernen. Vor der Entscheidung für die Spezialisierung können sie also schon mal in die verschiedenen Teilgebiete „reinschnuppern“. Ich frage Auszubildende immer: Bei welcher Tätigkeit vergisst Du die Zeit? An welchen Tagen gehst Du mit freudiger Anspannung zur Arbeit und wann musst Du Dich vielleicht aufraffen? Hilfreich, um solche Fragen für sich selbst gut und richtig beantworten zu können, ist ein Logbuch, in dem der oder die Auszubildende sich Notizen zu den verschiedenen Arbeiten macht. Angehende Industriekaufleute beispielsweise können so herausbekommen, ob sie eher Richtung Einkauf oder Verkauf gehen wollen, ob Personal oder Wirtschaftsfragen ihr Ding sind. Für alle anderen Berufe gilt das natürlich genauso.

Können Azubis sich in Sachen Spezialisierung auch umentscheiden?

Grundsätzlich ja. Der Zeitpunkt macht aber einen Unterschied. Hat die Spezialisierung erst vor 14 Tagen begonnen und ist in dem Bereich, in den gewechselt werden soll, ein Platz frei, ist das sicher kein Problem. Ist die Spezialisierung aber schon zu zwei Dritteln abgeschlossen, wird es schwieriger. Vielleicht lohnt es sich dann auch, durchzuhalten, das Begonnene erfolgreich abzuschließen, und noch eine weitere Qualifikation obendrauf zu setzen.

Welche Möglichkeiten gibt es dafür?

Es gibt die Anpassungs-, die Zusatz- und die Aufstiegsqualifikation. Zusatzqualifikationen können während, Anpassungs- und Aufstiegsqualifikationen im Anschluss an die Ausbildung absolviert werden. Einige Beispiele: Bäckereifachverkäufer können Zusatzqualifikationen in den Bereichen Hygiene oder Schaufensterdekoration erwerben. Eine Kauffrau im Einzelhandel, die im Schuhgeschäft gelernt hat und künftig Lebensmittel verkaufen möchte, lernt in einer Anpassungsqualifikation, auf was in dieser Branche speziell zu achten ist. Und ein Industriemechaniker kann sich mit einer Aufstiegsqualifizierung zum Industriemeister, beispielsweise in der Fachrichtung Metall, weiterbilden. 

In manchen Berufen ist die Spezialisierung ein Muss, in anderen nur eine Möglichkeit. Welche Vorteile hat es, sich auf einen Bereich zu konzentrieren, oder eben Generalist oder Generalistin zu bleiben?

Wer die Abwechslung braucht und sich schnell und gut in verschiedene Themen einarbeiten kann, fährt vielleicht besser als Allrounder oder Allrounderin. Wem es liegt, sich so richtig in eine Sache reinzufuchsen und wer vielleicht auch ein Lieblingsgebiet hat, für den bietet sich die Spezialisierung an. Außerdem spielt eine Rolle, wo man später mal arbeiten möchte. Große Unternehmen beschäftigen in der Regel viele Spezialistinnen und Spezialisten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von kleineren Betrieben hingegen müssen oft ein größeres Spektrum an Aufgaben bewältigen.

  • Du hast einen bestimmten Berufswunsch und möchtest gerne wissen, ob Du Dich schon in der Ausbildung spezialisieren kannst? Auf planet-beruf.de, der Ausbildungsseite der Bundesagentur für Arbeit, findest Du Informationen und Ausbildungsinhalte von vielen Berufen.
  • Auf der Seite des Bundesinstituts für Berufsbildung (bibb) kannst Du gezielt nach Ausbildungsangeboten mit Zusatzqualifikationen suchen.
  • Bei der Bundesagentur für Arbeit kannst Du Dich auch während der Ausbildung persönlich beraten lassen, zum Beispiel auch, wenn es darum geht, welche Spezialisierung für Dich infrage kommt.