Richtig bewerben: So wirds gemacht!

Erfolgreich bewerben – klingt einfach, kann aber eine ganz schöne Herausforderung sein. Tipps rund um die schriftliche Bewerbung und das Bewerbungsgespräch gibt Andreas Neumann, Ausbildungsleiter der Troester GmbH & Co. KG aus Hannover.

Was gehört alles in eine Bewerbungsmappe?

Neben dem Anschreiben ist der Lebenslauf samt Bewerbungsfoto von großer Relevanz. Dieser sollte tabellarisch aufgebaut sein und darf ruhig Interessen und Hobbys beinhalten, da diese auch einen guten Einstieg ins persönliche Vorstellungsgespräch bieten.

Spannend finde ich auch, wenn ein Bewerber besonderes Engagement vorweisen kann. Wenn man zum Beispiel ehrenamtlich im Rettungsdienst oder als Jugendgruppenleiter/-in tätig ist oder war, sollte man dies durch einen Tätigkeitsnachweis belegen.

Wichtig sind die Zeugnisse – hier achte ich weniger auf den gesamten Notendurchschnitt als auf die Noten relevanter Schulfächer. Für unsere Berufe ist beispielsweise die Physiknote viel wichtiger als die Politiknote. Von Bewerbern, die in der 10. Klasse Physik abgewählt haben, erwarte ich deswegen das Zeugnis der 9. Klasse – mit Physiknote. Zeugnisse über Praktika sind genauso bedeutsam, es reicht also nicht, diese nur im Lebenslauf aufzuführen.

Wie sollte das Anschreiben aufgebaut sein?

In erster Linie: persönlich. Ein Standard-Anschreiben ermüdet jeden Personaler. Manchmal bekomme ich identische Anschreiben ganzer Schulklassen, da diese mit ihrem Lehrer das Anschreiben durchgegangen sind und die Schülerinnen und Schüler diese an die Unternehmen versenden. Ich kann verstehen, dass es nicht einfach ist, ein ansprechendes Anschreiben zu verfassen. Trotzdem empfehle ich ein Mindestmaß an Eigenengagement: Ein Bewerber sollte authentisch schildern, warum er sich bei dem jeweiligen Unternehmen um eine Stelle bemüht. Hat er sich im Internet über den Betrieb informiert oder gibt es Verwandte, die bei dem Unternehmen arbeiten? Mich interessiert auch: Warum möchte er genau diesen Ausbildungsberuf erlernen? Hat er eventuell erste Erfahrungen in diesem Berufsfeld durch ein Praktikum gesammelt?

Muss ich für das Bewerbungsfoto wirklich zu einem Fotografen?

Da gibt es unterschiedliche Meinungen drüber – manche Personaler legen viel Wert auf ein professionelles Bewerbungsfoto. Aus meiner Sicht muss niemand zum Fotografen, das Bild sollte aber ein Passfoto-Format besitzen und nicht unbedingt im Urlaub vor Palmen aufgenommen worden sein.

Was muss ich bei einer Online-Bewerbung beachten?

Viele Personalabteilungen sehen Online-Bewerbungen mittlerweile lieber. Und für den Bewerber ist der Vorteil doch auch ganz klar: Online können locker mal zehn Bewerbungen versandt werden, ohne dass es im Portemonnaie wehtut. Vom Aufbau her sollte eine Online-Bewerbung einer postalischen gleichen, also: Deckblatt mit Foto, Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse, Nachweis über ehrenamtliche Tätigkeiten und Praktika. Bei einer Online-Bewerbung ist es wichtig, diese in einem PDF-Format zu versenden und auf die Größe der Datei zu achten. Bei uns kommen auch Bewerbungen mit einer Größe von 10 MB an, von anderen Betrieben weiß ich aber, dass es aus technischen Gründen dort nicht funktioniert.

Soll ich vor dem Versenden meiner Bewerbung bei dem Unternehmen anrufen und mich über die Stelle informieren?

Bei uns wäre ein Anruf eher störend, da sich viel zu viele Absolventen auf einen Ausbildungsplatz bewerben. Vielmehr sollte der Bewerber im Anschreiben vermerken, über welchen Kanal er auf die Stellenausschreibung aufmerksam geworden ist. Bei kleineren Betrieben macht es bestimmt Sinn, vorher mal anzurufen oder persönlich vorbeizuschauen.

Wie soll ich mich beim Bewerbungsgespräch kleiden?

Ich rate jedem: dem Ausbildungsberuf entsprechend. Es gibt Berufsbilder, da ist ein Anzug gerechtfertigt, zum Beispiel bei einem Bankkaufmann. Wenn sich bei uns jemand um die Stelle des Mechatronikers bewirbt, reichen Jeans und Hemd völlig aus. Der Bewerber sollte nicht aussehen, als habe er einen Discobesuch vor sich – letztendlich ist der erste Job der Eintritt in die „Erwachsenenwelt“, und den dort herrschenden Gepflogenheiten sollte man sich möglichst anpassen. Auf diesem Weg wird man auch die entsprechende Akzeptanz erfahren.

Wie bereite ich mich für das Vorstellungsgespräch vor?

Zwei Dinge haben Priorität: Warum bewerbe ich mich ausgerechnet bei dem Unternehmen? – Dafür sollte man sich die Unternehmens-Website anschauen und die Besonderheiten des Betriebes studieren. Und zweitens: Warum habe ich mich für dieses Berufsbild entschieden? Dafür kann man sich zum Beispiel unter dem Angebot BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit die Tätigkeitsfelder des Berufes anschauen und sie mit seinem eigenen Lebenslauf abgleichen.

Zudem sollte man mit einem Eignungstest rechnen. Die Handwerkskammern und die Industrie- und Handelskammern haben auf ihren Websites oftmals Broschüren zur Vorbereitung für solche Tests, im Buchhandel gibt es ebenfalls entsprechende Lektüre zu kaufen. Ganz wichtig ist außerdem: Kenne deine Bewerbungsunterlagen! Das, was ein Bewerber mit seinen Unterlagen vorgelegt hat, muss er im Gespräch auch wiedergeben können. Wenn es Ungereimtheiten im Lebenslauf gibt, sollte er hierfür eine Begründung geben können.

Wie kann ich bei einem Personalverantwortlichen punkten?

Ganz wichtig: authentisch auftreten! Niemandem ist geholfen, wenn sich der Bewerber verstellt, zumal ein Personaler das auch spürt. Er sollte zudem eine gewisse Seriosität an den Tag legen und selbstbewusst darlegen können, warum er den Ausbildungsplatz haben möchte und warum wir ihn nehmen sollten. Ein Bewerber kann auch punkten, wenn er berechtigte Fragen zu dem Unternehmen oder dem Ausbildungsplatz stellt.

Wann kann ich nach dem Bewerbungsgespräch mit Feedback rechnen?

Bei uns bekommt der Bewerber immer gleich einen Termin, an dem wir uns bei ihm melden werden. Meistens ist das zwei Wochen nach dem Bewerbungsgespräch – so lange würde ich auch bei anderen Unternehmen warten, bis ich telefonisch nachhake. Oder aber, das ist die leichtere Variante, ich erkundige mich gleich nach dem Gespräch, wann man sich bei mir melden wird.