Mit höchster Präzision

Chirurgiemechanikerinnen und -mechaniker sorgen für das richtige Handwerkszeug in Krankenhäusern und Arztpraxen. Sie stellen Skalpelle und Mikro-Scheren her, aber auch Implantate, also in den menschlichen Körper eingesetztes künstliches Material.

Auszubildender hält Schere

Für einen gelungenen chirurgischen Eingriff sind vor allem zwei Parameter entscheidend: Genauigkeit und Kontinuität. Das gilt auch für die medizinischen Instrumente, die Felix Fischer herstellt.

B. Braun Melsungen AG

Die Frage, wie er auf die Idee kam, den Ausbildungsberuf Chirurgiemechaniker zu wählen, beantwortet Felix Fischer lächelnd. Das sei in der Gegend, wo er herkomme, nicht ungewöhnlich: Der 19-Jährige absolviert seine Ausbildung in Tuttlingen. Die Stadt wirbt damit, Welthauptstadt der Medizintechnik zu sein, 12.000 der knapp 37.000 Einwohnerinnen und Einwohner sind in dieser Branche beschäftigt. Sein Ausbildungsbetrieb stellt Medizinprodukte und -technik für die Chirurgie her.

Für eine Operation werden Instrumente wie Arterienklammern, Wundspreizer, Knochenstanzen, anatomische Pinzetten und ähnliches benötigt, die in einem speziell dafür benötigten Sterilcontainer aufbewahrt werden. Neben dem Handwerkszeug für die ärztliche Kunst stellen Chirurgiemechanikerinnen und -mechaniker auch Implantate her, etwa Titanschrauben, die eine Bandscheibe stützen. Oder Kniegelenke und Hüftprothesen, die aus vielen Einzelteilen montiert werden müssen. „Neben der Herstellung geht es auch darum, Instrumente zu reparieren. Wir schweißen, wir schleifen, wir montieren, wir schärfen Instrumente, wir prüfen – das ist sehr abwechslungsreich“, schildert der Azubi.

Programmieren bereits im zweiten Ausbildungsjahr

Azubi an der Maschine

Präzision ist nicht allein in Handarbeit gefragt, sondern auch an computergesteuerten Werkzeugmaschinen. Felix Fischer mag die unterschiedlichen Arbeitsweisen in seinem Ausbildungsberuf als Chirurgiemechaniker.

B. Braun Melsungen AG

Zunächst hat Felix Fischer nach seinem Hauptschulabschluss für zwei Jahre die Berufsfachschule Metall besucht. Vor seiner Bewerbung zum Chirurgiemechaniker erkundigte er sich in seinem Umfeld, holte sich Tipps von seinem Cousin aus erster Hand. „Er hat die Ausbildung bereits absolviert und so wusste ich, was auf mich zukommt“, sagt er. „Auch mir macht die Arbeit viel Spaß. Sie ist wahnsinnig vielseitig. Es gibt sehr viele verschiedene Produkte.“ Was ihm besonders gut gefällt, ist der Mix aus handwerklichem Geschick und modernster Technik. „Wir lernen bereits ab dem zweiten Ausbildungsjahr das Programmieren“, so Felix Fischer. Denn bereits heute spielt die Automatisierung in der Produktion eine große Rolle.

Trotz Entlastung durch CNC-Maschinen, also computergesteuerte Werkzeugmaschinen, geht es zu Beginn der Ausbildung darum, ein Gefühl für Material und Maße zu entwickeln. Die Azubis arbeiten mit Werkstoffen wie Aluminium, Messing und Stahl. Sie handhaben ganz traditionell Hammer, Säge und Feilen – allerdings mit Fingerspitzengefühl. Weitere Voraussetzungen für den Beruf sind ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, Akribie und die Fähigkeit zur Konzentration. Die Fertigung der Instrumente erfordert höchste Präzision, muss bis auf den Zehntelmillimeter genau stimmen.

Nötig sind übrigens auch Kenntnisse in der Anatomie. Die stehen auf dem Stundenplan in der Berufsschule. „Wir müssen wissen, wie unsere Instrumente später eingesetzt werden“, sagt der Azubi. „Deshalb lernen wir in der Schule auch Instrumentenkunde und schauen uns Videos von Operationen an. Auch lernen wir die lateinischen Fachbegriffe aus der Medizin.“ Felix Fischer absolviert nun sein drittes Ausbildungsjahr bei der Aesculap AG, die Teil des Medizintechnik- und Pharmaherstellers B. Braun Melsungen AG ist. Je nachdem, wie sein Zwischenzeugnis ausfällt, hat er die Chance, die reguläre 3,5-jährige Ausbildungszeit zu verkürzen. Wie es danach weitergeht, weiß er noch nicht. „Das ist Zukunftsmusik. Ich muss schauen, was hier in der Firma möglich ist“, sagt er. Aufhören mit dem Lernen will er allerdings auch nach dem Abschluss noch nicht. Er kann sich vorstellen, eines Tages den Meister oder Techniker zu machen.

  • Du interessierst Dich für eine Ausbildung als Chirurgiemechanikerin oder -mechaniker? Einen ersten Überblick findest du bei der Bundesagentur für Arbeit.
  • Wie man mit einer Vogelzunge arbeitet, zeigt der Bildungskanal Alpha, der auch einige der Werkzeuge der Chirurgiemechanikerin / des Chirurgiemechanikers erklärt.