Mein Azubi-Tipp: So findest Du jetzt noch eine Ausbildungsstelle

Gerade hat das neue Ausbildungsjahr begonnen. Du stehst noch mit leeren Händen da? Keine Panik, Sarah Thomas, Berufsberaterin der „Praktisch unschlagbar“-Infotour hat die besten Tipps für die Last-Minute-Suche.

Berufsberaterin Sarah Thomas

Sarah Thomas ist Diplom-Kauffrau, Pädagogin und Expertin für die Berufsorientierung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Sie berät auch bei unserer Infotour.  

Kai Nielsen 

Frau Thomas, was können junge Leute tun, die jetzt noch keine Zusage in der Tasche haben?

Gas geben, Zeit sparen und zum Telefonhörer greifen! Das heißt, wenn sie noch offene Stellen bei Jobbörsen etc. finden, am besten direkt anrufen. Sollte das Unternehmen in diesem Jahr doch nicht mehr suchen, nachfragen, ob im nächsten Jahr ausgebildet wird und ob Praktika möglich sind.

Wer bereits Absagen erhalten hat, kann sich bei diesen Unternehmen jetzt noch einmal melden. Denn es springen auch immer mal Bewerberinnen und Bewerber ab. Außerdem sollten Ausbildungsplatzsuchende unbedingt die Agentur für Arbeit oder entsprechende Kammern aus ihrer Region wie die IHK oder HWK kontaktieren. Denn diese sind erste Anlaufstellen für die Unternehmen, wenn es um Nachvermittlung geht.

Die Firmen fragen sich vielleicht auch: Warum hat er oder sie bisher noch keine Stelle bekommen? Welche Antwort sollten Spätbewerberinnen und -bewerber parat haben?

Es gibt Gründe, für die Unternehmen sicher Verständnis haben: Etwa, wenn eine Ausbildung in einer Branche geplant war, die von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen ist, zum Beispiel im Hotel- oder Eventbereich. Viele junge Leute müssen jetzt nach Alternativen suchen. Auch Ausbildungsmessen und -börsen sind durch Corona ausgefallen und haben den Kontakt und die Informationssuche erschwert. Das wissen auch die Firmen.

Und wenn ich einfach bei den Bewerbungen getrödelt habe?

Das kommt vor, sollte aber besser nicht direkt thematisiert werden. Folgende Aussagen sind denkbar: „Ich war mir anfangs unsicher und habe sehr lange überlegt, in welche berufliche Richtung es für mich gehen soll und welcher Ausbildungsberuf am besten zu mir passt.“ Oder: „Ich habe mich beworben, jedoch leider einige Absagen erhalten. Bei der Ausweitung meiner Suche bin ich dann auf Ihr Unternehmen aufmerksam geworden und habe mich intensiv darüber informiert. Ich finde, es passt richtig gut zu mir, weil …“.

Für wen könnte es besser sein, erst im kommenden Jahr eine Ausbildung zu beginnen und welche Möglichkeiten gibt es, die Zwischenzeit sinnvoll zu nutzen? 

Wenn die Entscheidung für einen bestimmten Ausbildungsberuf gefallen ist und die entsprechenden Qualifikationen vorliegen, aber diejenige oder derjenige keinen Platz bekommen hat, kann es sinnvoll sein, diese Zeit mit Praktika, ggf. schon beim Wunschunternehmen, zu überbrücken. Auch für alle anderen gilt: praktische Erfahrungen sammeln. Denn um im nächsten Jahr mehr Erfolg zu haben, ist es wichtig, jetzt Eigeninitiative zu zeigen und nicht nur abzuwarten. 

Erfahrungen sammeln

So kannst Du die Zeit nutzen, wenn Du in diesem Jahr keine Ausbildungsstelle gefunden hast:

  • Die sogenannte Einstiegsqualifizierung (EQ) der Bundesagentur für Arbeit richtet sich an Bewerberinnen und Bewerber, die bis zum 30. September keine Ausbildung gefunden haben. Über ein Langzeitpraktikum zwischen sechs und zwölf Monaten und eine vertragliche Vereinbarung erhalten sie die Chance auf einen Ausbildungsplatz im Betrieb. Informationen zur Einstiegsqualifizierung gibt es bei der Bundesagentur für Arbeit.
  • Sollten noch Unsicherheiten in Bezug auf den Wunschberuf bestehen, helfen Praktika und Nebenjobs bei der Entscheidungsfindung.
  • Freiwilligendienste sind ebenfalls eine gute Möglichkeit, die Zeit bis zum nächsten Jahr zu überbrücken. Hier gibt es verschiedene Varianten: das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), wahlweise auch mit den Schwerpunkten Kultur, Schule, Politik, das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) oder die Bundesfreiwilligendienste. Die Mindestdauer beträgt jeweils sechs Monate. Mehr Informationen und Links gibt es bei der Agentur für Arbeit.
  • Grundsätzlich bieten sich auch Auslandsaufenthalte wie Au-Pair oder Work & Travel an, durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie ist das momentan aber nicht bzw. nur stark eingeschränkt möglich.