Mein Azubi-Tipp: auf Ausbildungs-Suche, aber richtig

Dein schulischer Weg ist auf der Zielgeraden, du möchtest gern im Anschluss eine Ausbildung beginnen, weißt aber noch nicht, welche? Berufsberaterin Kerstin Schukowski gibt Dir Tipps für die erfolgreiche Suche nach dem passenden Ausbildungsplatz.

Portrait der Berufsberaterin Kerstin Schukowski.

Kerstin Schukowski ist Expertin für die Berufsorientierung und berät bei der Suche nach dem passenden Ausbildungsplatz.

Michael Josef

Frau Schukowski, wie finden junge Menschen heraus, was zu ihnen passt?

Zuerst sollten sie sich durch Erwartungen und Fragen von außen nicht stressen lassen, sondern sich in Ruhe selbst fragen: Hey, was passt zu mir?

Klassische Werkzeuge, um das herauszufinden sind zum Beispiel die Potenzialanalyse, die man in der Schule machen kann oder das Vertiefen in Kompetenzchecks und Workshops im Netz. Sehr spannend kann es auch sein, sich eine Mindmap zu seinem eigenen Leben zu malen; aufzuschreiben, welche Entscheidungen man in den letzten Jahren für sich getroffen hat, was einem zuwider ist, was einem leicht fällt und was das vielleicht mit dem künftigen Beruf zu tun hat. Mit diesem Material kann man das Gespräch mit Lehrkräften oder Freundinnen und Freunden suchen und sie um eine Einschätzung bitten: Was siehst Du in mir? Daraus lässt sich ein Bild knüpfen. Wichtig ist, sich dafür Zeit zu nehmen, damit die Entscheidung in Ruhe reifen kann. Der klarste Weg in den Beruf sind nach wie vor Praktika in den Betrieben; das ist auch in der jetzigen Zeit in vielen Bereichen möglich und eine Woche reicht schon, um sich auszuprobieren, ein Feedback zu bekommen und einzuschätzen, ob die Wahl zu einem passt.

Wie recherchieren Schulabgängerinnen und Schulabgänger gezielt die Ausbildungsberufe, die ihrem Profil entsprechen?

Es gibt sinnvoll zusammengestellte Berufskataloge zum Beispiel von der Bundesagentur für Arbeit. Sehr wertvoll sind die Internet-Seiten der regionalen Handwerkskammern sowie der lokalen Industrie- und Handelskammern. Dort findet man neben Details zu dem gewählten Berufsfeld auch die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für Beratungsgespräche. Die finden derzeit online statt und helfen herauszufinden, ob der Beruf zu einem passt. Die persönliche Kontaktaufnahme ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Ausbildungsplatz. Tipp: den Namen des Ansprechpartners merken, um später sagen zu können, ich habe gestern mit Herrn oder Frau Soundso gesprochen und hätte gern noch nähere Informationen. Das kommt gut an und stärkt das Selbstbewusstsein.

Welche Kriterien sollten die Hauptrolle bei der Wahl des Ausbildungsplatzes spielen?

Ein ganz wichtiges Kriterium für viele ist die Frage nach der Perspektive: Bietet ihnen die Firma eine Perspektive in Form einer späteren Übernahme? Gibt es die Möglichkeit, sich in dem Beruf selbst weiter zu entwickeln? Darüber hinaus ist es wichtig, sich klarzumachen, dass man damit Geld verdienen möchte, daher stellt sich immer die Frage, ob der Betrieb einen fairen Lohn beziehungsweise nach Tarif zahlt. Dahinter rangieren Kriterien wie Größe und Alter der Firma, ob die Firma in etwa die eigenen Werte vertritt und wieviel Zeit man für den Weg zur Arbeit veranschlagt. Sehr sinnvoll ist es auch, sich schon früh im erweiterten Kreis des gewählten Berufes nach einer alternativen Ausbildung umzusehen, um einen ausführlichen Plan B in der Hinterhand zu haben, falls es mit Plan A nicht klappt. Schließlich geht man auf eine dreijährige Reise, da möchte man genau wissen, wo es hingeht und wer einen dabei begleitet. Und nach wie vor kommen sehr viele Ausbildungsverhältnisse durch gute Tipps des sozialen Umfelds zustande.

Wie können Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger ins Berufsleben auch unter Pandemiebedingungen einen geeigneten Ausbildungsplatz finden?

Grundsätzlich wird in der Mehrzahl der Berufe weiter ausgebildet. Die Schulabgängerinnen und Schulabgänger sollten sich bewusst sein, dass sie sich unter noch nie dagewesenen Bedingungen bewährt haben und daraus ihre Stärke ziehen. Die Unbefangenheit im Umgang mit digitalen Medien ist ein Joker in der Hand dieser Generation, den sie für sich nutzen kann, da die Kommunikation mit potenziellen Arbeitgebern derzeit meist über Videoportale stattfindet. Für Online-Bewerbungsgespräche gilt dasselbe wie für das persönliche Gespräch: Man sollte ausgeschlafen und gut vorbereitet sein, das heißt zum Beispiel vorher mit einer guten Freundin oder einem guten Freund üben, wie man auf dem Bildschirm positiv rüberkommt und checken, ob die technischen Voraussetzungen gegeben sind. Vor dem Gespräch den Rechner rechtzeitig hochfahren, die Software starten und – ganz wichtig – den Blick in die Kamera und nicht auf die Person auf dem Bildschirm richten.

  • Eine gute Übersicht über die vielen Ausbildungsberufe und Berufsfelder findest Du auf planet-beruf.de, berufenet.de oder berufe-tv.
  • Gute Hilfen zum Ermitteln Deiner Eigenschaften und Kompetenzen findest Du auf dasbringtmichweiter.de.
  • Ausführliche Informationen und kompetente Ansprechpartner für Deinen Wunschberuf findest Du auf den Seiten der Handwerkskammer oder der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Deiner Region.