Job, Weiterbildung und Familie

Es gibt viele Wege, eine Weiterbildung mit Beruf und Familie zu vereinbaren – beispielsweise durch familienfreundliche oder flexible Arbeitszeitmodelle sowie durch unterschiedliche Lernformen, die Du je nach Deiner Lebenssituation wählen kannst.

Wie kann ich Job, Weiterbildung und Familie miteinander vereinbaren?

Dein erster Ansprechpartner ist Dein Arbeitgeber: In Zusammenhang mit lebensphasenorientierter Arbeitsorganisation geht es für Unternehmen darum, bei der Personalentwicklung Lebens- und Karrierephasen ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu betrachten. Lebensphasenorientierte Personalpolitik macht Angebote über den gesamten Lebensverlauf der Beschäftigten. Dazu gehören beispielsweise familienfreundliche bzw. flexible Arbeitszeitmodelle wie Teilzeit oder Gleitzeit, Telearbeit, Vertrauensarbeitszeit, Jobsharing sowie Arbeits- und Lernzeitkonten. Darüber hinaus gibt es die unterschiedlichsten Lernformen, die Du entsprechend Deiner zeitlichen Möglichkeiten nutzen kannst.

Gibt es Weiterbildungsformen, die die Vereinbarkeit von Familie und Weiterbildung erleichtern?

Es gibt eine ganze Reihe von Lernformen, die das Nebeneinander von Job, Weiterbildung und Familie ermöglichen. An erster Stelle ist hier das E-Learning zu nennen. Bei dieser Lernform nutzt Du die digitalen Medien und bist dadurch zeitlich unabhängig. Viele nutzen für eine berufliche Weiterbildung auch den Fernunterricht. Meist ergänzt durch einzelne Präsenzveranstaltungen eignen sich die Lernenden hier einen vorgegebenen Stoff mithilfe von Lehrbriefen an. Diese erhältst Du per Post, per E-Mail oder als Download auf einer Lernplattform im Internet. Ratsam ist es auch, Deinen Arbeitgeber zu fragen, ob Du die Weiterbildung während Deiner Arbeitszeit machen kannst. Zudem hast Du in den meisten Bundesländern Anspruch auf bezahlten Bildungsurlaub. Weiterführende Informationen hierzu findest Du in der BMBF-Broschüre „Ausbildung, Job – und dann?“.

Berücksichtigen finanzielle Förderprogramme auch die familiäre Situation von Weiterbildungsinteressierten?

Das Aufstiegsstipendium fördert ein Erststudium in Vollzeit oder berufsbegleitend an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule mit monatlich 670 Euro plus 80 Euro Büchergeld. Zusätzlich wird eine Betreuungspauschale für Kinder unter zehn Jahren gewährt (113 Euro für das erste Kind, jeweils 85 Euro für jedes weitere). Die Förderung erfolgt als Pauschale und damit einkommensunabhängig. Das „Aufstiegs-BAföG“ sieht folgende Bedarfssätze vor: 768 Euro für Alleinstehende, 1.003 Euro für Verheiratete/eingetragene Lebenspartner/-innen, 1.238 Euro für Verheiratete/eingetragene Lebenspartner/-innen mit einem Kind und 1.473 Euro für Verheiratete/eingetragene Lebenspartner/-innen mit zwei Kindern.

Wie funktionieren Teilzeitregelungen in der betrieblichen Praxis?

Wenn Dein Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate besteht, hast Du das Recht, dass Deine bisherige vertragliche Arbeitszeit Deinen Wünschen entsprechend verringert wird. Natürlich reduziert sich im entsprechenden Maß ebenso Deine bisherige Vergütung. Um Unternehmen mit geringer Beschäftigtenzahl zu schützen, ist das aber nur in Betrieben möglich, die mehr als 15 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigen.

Wie funktionieren Gleitzeitregelungen in der betrieblichen Praxis?

Bei Gleitzeitmodellen legst Du mit Deinem Arbeitgeber neben Kernarbeitszeiten auch Gleitzeitspannen fest. Während zur Kernarbeitszeit eine Anwesenheitspflicht besteht, gilt innerhalb der Gleitzeitspannen eine flexible Gestaltung des Arbeitsbeginns und -endes. Auch die Dauer der Arbeitszeit kann individuell und bedarfsgerecht variiert werden. Zusätzlich kann zur Erfassung von Zeitguthaben oder -defiziten ein Arbeitszeitkonto angelegt werden.

Was versteht man unter Vertrauensarbeitszeit?

Vertrauensarbeitszeit ermöglicht Fachkräften die größtmögliche Autonomie bei der Arbeitszeitgestaltung, da sowohl die formale Zeiterfassung als auch die Anwesenheitskontrolle entfallen. Ausschlaggebend sind die Erfüllung von Aufgaben und das Erreichen der vorgegebenen Ziele. Der Ort der Arbeit kann daher oft frei gewählt werden. Nichtsdestotrotz bleibt die (tarif-)vertraglich geregelte Arbeitszeit Grundlage der Entlohnung.

Was bedeutet Jobsharing in der betrieblichen Praxis?

Jobsharing (deutsch: Arbeitsplatzteilung) ist eine spezielle Form der Umsetzung von Teilzeitarbeit, bei der sich mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Unternehmens eine Vollzeitstelle teilen. Innerhalb des gesetzlichen Rahmens können die Beschäftigten die Arbeitsaufteilung individuell absprechen. Das Unternehmen kann somit z.B. trotz Fachkräftemangels eine ganze Arbeitsstelle (bspw. in der Produktion) besetzen. Darüber hinaus gibt dieses Modell Teilzeitarbeitskräften die Möglichkeit, an großen Projekten anteilig mitzuarbeiten und diese sogar als Führungskräfteteam (z.B. Führungskräftetandem) verantwortlich zu leiten. Dieses Teilzeitmodell eignet sich besonders gut für das mittlere Management.

Was sind Jahresarbeitszeit- und Lernzeitkonten?

Basierend auf einer durchschnittlichen Wochenarbeitsstundenzahl wird die Stundenzahl ermittelt, die die Beschäftigten innerhalb eines bestimmten Zeitraums (z.B. eines Jahres) zu leisten haben. Bedingt durch Auftragsschwankungen oder aufgrund von individuellen Bedürfnissen kannst Du dann mehr oder weniger Stunden pro Woche absolvieren, wenn die durchschnittliche Stundenzahl innerhalb des jeweiligen Zeitraums wieder ausgeglichen wird. Deine Bezahlung bleibt konstant und richtet sich somit nicht nach den tatsächlich geleisteten Stunden im jeweiligen Monat. Lernzeitkonten sind Arbeitszeitkonten, deren angesparte Zeitguthaben für betriebliche Weiterbildungszwecke verwendet werden können.