Handwerk verbessert Ausbildungschancen für Flüchtlinge

Im Februar haben das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Bundesagentur für Arbeit und der Zentralverband des Deutschen Handwerks die neue Förderinitiative „Wege in die Ausbildung für Flüchtlinge“ aufgelegt.

Bäcker und Auszubildende in der Backstube

Das Programm „Wege in die Ausbildung für Flüchtlinge“ soll mehr Flüchtlingen den Weg in eine Berufsausbildung ebnen.

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Viele Ausbildungsbetriebe suchen händeringend Nachwuchs – und viele Flüchtlinge suchen Arbeit. Wenn Du jetzt denkst, es sollte doch kein großes Problem sein, beide Seiten zusammenzubringen, solltest Du Dir mal ein paar Stunden Zeit nehmen, um die vielen, vielen Texte zu lesen, die dafür eine Rolle spielen: die Gesetze zu Flucht, Einwanderung und Zugang zu Ausbildung und Arbeit, die Ausbildungsordnungen, die Regeln für die Anerkennung ausländischer Schul- und Berufsabschlüsse. Das alles ist hoch kompliziert, viel Bürokratie. In den seltensten Fällen fängt ein Flüchtling einfach so eine Ausbildung an. Aber es tut sich was.

Im Februar haben das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Bundesagentur für Arbeit und der Zentralverband des Deutschen Handwerks eine neue Förderinitiative aufgelegt. Sie heißt „Wege in die Ausbildung für Flüchtlinge“ und soll in den nächsten zwei Jahren bis zu 10.000 Geflüchtete in eine handwerkliche Ausbildung vermitteln. Das Bundesbildungsministerium stellt hierfür 20 Millionen Euro allein für das Jahr 2016 bereit.

Neues Langzeit-Programm für junge Flüchtlinge
Wenn Du einen Flüchtling kennst und ihm vom neuen Förderprogramm erzählen willst, musst Du zwei Dinge wissen: Die Förderung ist nicht für alle gedacht, sondern nur für die passende Altersgruppe. Und das Programm hat drei Stufen, die aufeinander aufbauen.

Altersmäßig richtet sich „Wege in die Ausbildung für Flüchtlinge“ an geflüchtete Jungen, Männer, Mädchen und Frauen, die in ihrem jeweiligen Bundesland nicht mehr schulpflichtig (je nach Wohnort auch jünger als 18), aber wenn möglich nicht älter als 25 Jahre sind. „Wir wissen, dass rund die Hälfte der Flüchtlinge unter 25 Jahre alt ist, viele von ihnen haben eine gute Bleibeperspektive. Ihre Integration kann gelingen, wenn wir sie dabei unterstützen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen“, so erklärt das die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka.

Die drei Stufen der Ausbildungsvermittlung funktionieren so: Zuerst besuchen die Flüchtlinge einen offiziellen Integrationskurs oder einen vergleichbaren Deutschkurs. Danach nehmen sie über die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter vier bis sechs Monate lang an der Maßnahme „Perspektive für junge Flüchtlinge im Handwerk“ teil. Als Drittes folgt ein dreimonatiger Kurs „Berufsorientierung für Flüchtlinge“. Die Flüchtlinge können sich in dieser Zeit in bis zu drei Handwerksberufen in Lehrwerkstätten ausprobieren, ihren Wunschberuf üben sie dann auch ganz realitätsnah im Betrieb. Nebenbei lernen sie die wichtigsten Wörter und Sätze für ihren Arbeitsalltag. Wer das alles geschafft hat und die asyl- und bleiberechtlichen Voraussetzungen erfüllt, hat einen Ausbildungsplatz in seinem Wunschhandwerk sicher, versprechen die Verantwortlichen.

Interview mit Hans-Peter Wollsiefen

ZDH-Präsident Hans-Peter Wollsiefen erklärt in einem Interview, wie Flüchtlinge in das duale Berufsausbildungssystem integriert werden sollen.

Details zur dritten Stufe des Förderprogramms

Details zur dritten Stufe des Förderprogramms werden auf der Website berufsorientierungsprogramm.de erläutert.