Girls-Berufe: Auf der Suche nach dem Fehler

Schon mal über die Ausbildung zur Kraftfahrzeugmechatronikerin nachgedacht? Nix für Frauen? Von wegen, sagt Maria Schneider, die den Beruf gerade erlernt. Am Girls‘ Day haben wir sie in ihrem Ausbildungsbetrieb besucht. 

Kfz-Mechatronikerin

 Foto: BMBF / Marion Hunger

Kfz-Mechatronikerin? Für Maria Schneider ist das der Traumjob. Seit letztem Jahr schraubt sie mit Ausbildungsvertrag in einer Werkstatt in Berlin, liest sie Fehlerspeicher aus und arbeitet mit elektronischen Prüfsystemen. Ihre Leidenschaft ist das aber schon viel länger. Schon vor Jahren hat sie Bremsbeläge gewechselt, mal eine Windschutzscheibe eingeklebt mit befreundeten Schraubern, alles Autonarren. Ihr persönliches Highlight: Mit siebzehn hat sie einen PS-starken V8-Motor in einen Polo eingebaut. „In ein Show-Auto für Tuner-Treffen, das keine Chance auf eine Straßenzulassung hatte“, sagt die heute Achtzehnjährige lachend.

In einer WhatsApp-Gruppe tauschten sie sich alle zusammen darüber aus, welche Probleme sie an ihren Autos hatten. Danach recherchierte Maria die Infos immer im Internet. Sie machte sich zum Beispiel darüber schlau, welches Öl man braucht oder warum es verschiedenfarbige Kühlflüssigkeiten gibt. „Ich liebe Autos!“, sagt sie. „Dass so ein Auto fährt, ist ja ein Zusammenspiel aus so vielen Faktoren. Ich will die Technik dahinter verstehen. Deshalb will ich Kfz-Mechatronikerin werden.“

Und die Technik dahinter wird immer anspruchsvoller. Zwischen 50 und 100 kleine Computer sind in einem Auto verbaut. Elektrische Fensterheber, Brems- und Lenkassistenten oder Assistenzsysteme: Eine Kfz-Mechatronikerin oder ein Kfz-Mechatroniker muss solche Geräte einstellen oder Fehler finden und beheben, wenn sie nicht funktionieren. „Man braucht schon ein Verständnis von Physik“, erklärt Maria Schneider. „Wissen, was Spannung, Widerstand oder Stromstärke ist.“ Wenn so ein Teil nicht funktioniert, muss sie mit einem Prüfgerät testen: Liegt Spannung an, also bekommt das Gerät überhaupt Strom? Wenn nicht, schaut man: Bis wohin liegt Spannung an? „Es ist“, sagt sie, „richtige Detektivarbeit – auf der Suche nach dem Fehler“.

Und weil es immer mehr Elektronik an Bord gibt, wurden 2003 die Berufe Kfz-Mechaniker/in, Kfz-Elektriker/in und Automobilmechaniker/in zum Beruf Kfz-Mechatroniker/in zusammengefasst, mittlerweile wurde dieser Beruf bereits zum zweiten Mal modernisiert Dreieinhalb Jahre dauert so eine Ausbildung. Dabei spezialisierst Du Dich in einem der Schwerpunkte auf Personenkraftwagen-, Nutzfahrzeug-, Motorrad-, System- und Hochvolt- oder Karosserietechnik. Danach kannst Du eine Fortbildung als Kfz-Servicetechniker/in oder Meister/in dranhängen.

Maria Schneider ist in ihrer Werkstatt die einzige Frau. Bei sehr festsitzenden Schrauben muss sie auch mal einen Kollegen fragen. Manchmal braucht sie eben doch etwas mehr Kraft. Weil man zum Beispiel im Motorraum keinen Hebel ansetzen kann. „Aber“, so sagt sie: „Die Kollegen fragen ja auch, ob man ihnen mal zur Hand gehen kann.“

Nach der mittleren Reife schrieb sie gerade mal drei Bewerbungen

Ihren Ausbildungsbetrieb in Berlin hat Maria Schneider auf der Bildungsmesse vocatium kennengelernt – und direkt eine Woche Praktikum vereinbart. Mittlerweile führt sie u.a. Service- und Wartungsarbeiten durch und diagnostiziert Fehler und Störungen an den Fahrzeugen. Und wo sie sich nicht sicher ist, fragt sie auch nochmal nach: „Vor allem bei Rost oder Bremsen. Weil das sicherheitsrelevant ist.“

Wie man Fahrzeuge und Systeme wartet, prüft und einstellt, Montage und Qualitätsmanagement, all das lernt Maria Schneider auch in der Berufsschule. Sie will sich durch  eine Anpassungsweiterbildung später auf Kraftfahrzeugtechnikerin - Elektronik spezialisieren, ein Bereich, der ihr liegt. Ob sie den Meister dranhängt, da ist sie noch unschlüssig. Erst einmal wird sie die Ausbildung abschließen, ist sie überzeugt: „Man muss sich Aufgaben vornehmen und entschlossen sein. Dann klappt das auch!“

Weiterführende Informationen:

Der Ausbildungsberuf Kfz-Mechatroniker/in auf verschiedenen Websites im Profil:

Berufenet

Bundesinstitut für Berufliche Bildung (BIBB)

Autoberufe.de

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