Deine Arbeit in unseren Navis

Navigationsgeräte oder Online-Karten: Wir alle nutzen heute digitale Karten, um uns in fremder Umgebung zurechtzufinden. Als Geomatiker/-in erstellst Du solche Karten. In 2D, 3D oder 4D – Hauptsache genau und gut visualisiert.  

Geomatikerin auf der Arbeit

Foto: BMBF / Marion Hunger

Die Idee, Karten zu zeichnen und Miniaturmodelle von der Welt anzufertigen, ist nicht neu. Auf Drohnen, Satelliten, schnelle Computer, digitale Geländemodelle, Renderingfilter und Kartensoftware können wir dabei allerdings erst seit wenigen Jahren zurückgreifen. Als Geomatiker oder Geomatikerin nutzt Du schon als Azubi die Möglichkeiten der Digitalisierung. Wenn Du Computersimulationen und moderne Software magst, ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen hast und Geografie Dich interessiert, wartet die Welt nur darauf, sich von Dir vermessen und abbilden zu lassen.

Spannende Projekte

Der Ausbildungsberuf Geomatiker/-in ist noch ziemlich neu. Die ersten Abschlusszeugnisse in Deutschland mit dieser Berufsbezeichnung sind von 2012. Auch Lina Kohls hat ihre dreijährige Ausbildung mittlerweile hinter sich. Jetzt ist sie eine von wenigen hundert Geomatikerinnen und Geomatikern in Deutschland; der Frauenanteil bei den neuen Auszubildenden lag bei etwa einem Drittel.

Lina hat ihre Arbeit am Deutschen GeoForschungsZentrum in Potsdam kennen- und lieben gelernt. Das war eher ein Zufallstreffer, über den sie im Rückblick aber total froh ist: Es gab nur einen freien Ausbildungsplatz und eigentlich wollte Lina damals an die Uni. Dann fand sie die Geomatik-Projekte auf der Website aber so spannend, dass sie sich spontan bewarb. „Einfach drauflos bewerben, weil nicht fragen, heißt immer nein“, empfiehlt sie heute allen, die in einer ähnlichen Lage sind. „Letztendlich zählen die eigene Motivation und die Persönlichkeit.“

Ein Projekt, das Lina faszinierte, war ein Frühwarnsystem für Tsunamis, das in Potsdam entwickelt wurde. Sie selbst hat dann während der Ausbildung auch Geo-Daten für die Wissenschaft aufbereitet und eine webbasierte Europa-Karte erstellt, die trockene und feuchte Gebiete zeigt. Diese stellt die heutige Situation dar, aber auch wie es früher einmal aussah. Klimaforscherinnen und Klimatologen können nun auf diese Daten zurückgreifen, um die Veränderungen der letzten 400 Jahre zu untersuchen. In Zukunft, so hofft Lina, hilft das beim Kampf gegen Dürren.

Vielfältige Einsatzgebiete

Geomatikerinnen und Geomatiker arbeiten aber nicht nur für die Wissenschaft. Viele arbeiten gut bezahlt im Öffentlichen Dienst, wo Du auch bereits als Azubi unterkommen kannst. Die auf Geodaten spezialisierte Privatwirtschaft ist ebenso auf Leute wie Lina angewiesen. Neben den bekannten Internetanbietern gibt es zum Beispiel Verlage, die Atlanten und Karten vermarkten und Unternehmen, die detaillierte Gelände- und Umgebungsmodelle erstellen. Sie alle brauchen Daten und Datenprofis.

Für die Erstellung der Karten und Modelle arbeiten bereits die Azubis mit Visualisierungssoftware wie Photoshop, Illustrator oder Cinema 4D. Zum Vermessen werden auch Drohnen eingesetzt, schließlich sind Luftbilder notwendig, um realistische Abstände und Höhen darzustellen. Bei aller Technologie und Rechenpower solltest Du aber ein paar analoge Skills nicht vernachlässigen: Entwürfe zeichnest Du immer mal von Hand – mit geraden Linien und realistischen Raumverhältnissen. Damit du nachvollziehen kannst, was der Computer da gerade rechnet, musst Du die Mathematik und Physik dahinter zumindest im Ansatz verstehen. Räumliches Vorstellungsvermögen, Geschicklichkeit und eine gute  Auge-Hand-Koordination solltest Du auch mitbringen.

Sichtbare Ergebnisse

Während Du im ersten Ausbildungsjahr meistens draußen unterwegs bist, um zu messen und Daten zu sammeln, geht es später vor allem darum, die Geodaten zu verarbeiten, zu verknüpfen und anschaulich zu machen. Im ersten Jahr sind die Ausbildungsinhalte identisch mit denen der Vermessungstechniker/-innen. In der Ausbildung lernst Du den kompletten Prozess kennen: vom Sammeln der Rohdaten bis zum Endprodukt, zum Beispiel einer gedruckten Karte.

Nach der Ausbildung kannst Du Dich beispielsweise zum Techniker oder zur Technikerin der Fachrichtung Vermessungstechnik weiterbilden.

Weiterführende Informationen

Eine Übersicht zu dieser Ausbildung findest Du bei BerufeNET.

Ein Videoporträt mit Einblicken in die Praxis kannst Du Dir bei BerufeTV anschauen.

Unser Videoreporter Julian hat kürzlich Geomatiker Daniel getroffen.